04 Rock you
Bumm Bumm Patsch
Der Spind als mechanische Musikskulptur von Alexander Laner
Direkt an der Grundstücksgrenze, wo sich der Gartenzaun für einen Moment „aussetzt“ und den Zugang zum öffentlichen Raum freigibt, steht ein scheinbar unscheinbarer, grauer Metallschrank. Rostig, leicht verbogen, mit Spuren industrieller Nutzung – so wie man ihn einst in Werksumkleiden oder Lehrwerkstätten vorfand und bis heute noch finden kann.

Doch dieser Spind ist alles andere als gewöhnlich. Er birgt ein Geheimnis und eine verblüffende Mechanik, die Vergangenheit, Musik und partizipative Kunst auf innovative Weise verschmelzen lässt.
Wird der Schrank aktiviert, erklingt unverkennbar das „bumm bumm Patsch“ – der ikonische Rhythmus aus dem Refrain des Welthits „We Will Rock You“ von Queen. Doch nicht als digitale Sounddatei, sondern rein mechanisch erzeugt: Ein Motor setzt eine lange Achse in Bewegung, an der Nocken befestigt sind, die wie bei einer Walzenorgel agieren. Diese Nocken heben und senken kleine Hämmer, die gegen den Blechboden des Spinds schlagen. Ein dumpfer Schlag, ein zweiter – dann das scharf metallische „Patsch“: Rhythmus wird zu Skulptur, Musik zu Körper. Der gesamte Spind wird so selbst zum Resonanzkörper und bringt den Zaun, den öffentlichen Raum und die Passanten zum Vibrieren.

Das Werk stammt vom Münchner Künstler Alexander Laner (*1974), der an der Akademie der Bildenden Künste München bei Olaf Metzel studierte und als Meisterschüler abschloss. Laner ist mehrfach ausgezeichneter Bildhauer und Installationskünstler, dessen Schaffen von industriellen Materialien, Alltagsobjekten und Maschinenästhetik geprägt ist. Seine Arbeiten thematisieren die Schnittstellen von Technik und Romantik, Funktion und Poesie. Oft fügt Laner gebrauchte Gegenstände oder vertraute Materialien aus dem urbanen Umfeld in neue Kontexte ein, sodass sie alltägliche Bedeutungen hinterfragen und transformieren.
Der Spind greift genau dieses Spiel mit Erinnerung, Materialität und Sinnlichkeit auf: Was einst Werk und Arbeit schützte, erhält plötzlich eine neue Aufgabe – er wird zum Instrument, zur Bühne, zum Archetyp der „Musikmaschine“. Dabei bleibt Laner ganz in seiner künstlerischen Handschrift: Die Konstruktion bleibt sichtbar, der Verschleiß wird nicht kaschiert, sondern bewusst inszeniert. Die Mechanik erinnert an Industrie und Handwerk, das musikalische Motiv hingegen entspringt der Popkultur und damit dem kollektiven Bewusstsein.
Das Erlebnis für Passanten ist unmittelbar und involvierend. Der Zugang, das Öffnen der Türen, die Neugier und schließlich der Moment des Hörens: Hier verschmelzen vergangene Erfahrungen, die Faszination für buchstäblich „handgemachte“ Musik und das Überraschungsmoment im urbanen Raum. Jeder Schlag auf das Metall, jeder Satz des Rhythmus verbindet die Betrachter temporär und erzeugt einen kurzen Moment der Gemeinschaft – ganz im Geist des legendären Songs.
Mit dieser Installation gelingt Alexander Laner die perfekte Balance zwischen nostalgischer Reminiszenz, technischer Finesse und gesellschaftlichem Bezug. Der Spind wird zur Klangskulptur, die Vergangenheit und Gegenwart, Handwerk und Hightech, Alltag und Fest verbindet – und Passanten dazu einlädt, selbst Teil einer urbanen Performance zu werden. Sie öffnet einen Raum, in dem der Rhythmus der Stadt, die Stimmen der Geschichte und die Klänge eines Rockklassikers zu neuer Kunst verschmelzen..